Hinweis
Die Kapitel enthalten Kommentare und Exkurse sowie Übungsaufgaben und Fragen zur Prüfungsvorbereitung.
- Mithilfe der Kommentare erläutern wir Ihnen die Fachinhalte und beziehen diese auf die Schulpraxis.
- Die Exkurse bieten wir Ihnen als optionale Vertiefung an.
- Die Übungsaufgaben bestehen aus unterschiedlichen Formaten: z. B. Single-Choice-Fragen, Zuordnungsaufgaben, Fallbeispiele, etc. Mit den Übungsaufgaben fokussieren wir auf zentrale Inhalte, um diese besser erarbeiten zu können.
- Die Fragen zur Prüfungsvorbereitungen helfen Ihnen, um die zentralen Inhalte für die Prüfung vorzubereiten.
Um pädagogisches Handeln zu professionalisieren, betrachten wir den kompetenztheoretischen Ansatz und den strukturtheoretischen Ansatz, die der universitären Vermittlung des Professionswissens zugrunde liegen:
Pädagogisches Handeln, das das Ziel hat, allen Schüler:innen das Lernen zu ermöglichen, findet stets in situativen Kontexten statt, die sehr unterschiedlich sein können. Außerdem gibt es keinen einzig richtigen Weg, Lernen zu fördern. Lehrkräfte sind gefordert, die multiplen Kontexte mit ihren Fähigkeiten und Fertigkeiten zu erschließen. Ihr professionelles Handeln muss sich vom Alltagshandeln, das von nicht ausgebildeten Personen in pädagogischen Situationen gezeigt wird, dadurch unterscheiden, dass die Tiefenstruktur pädagogischer Situationen erschlossen werden kann (Warum verhält sich Person X jetzt so?), um nicht nur auf der Sichtstruktur (Person X macht Y.) zu verbleiben.
Lehrkräfte handeln unter Ungewissheit, da die Interaktionen in der Schule nicht eindeutig planbar sind. Es treten spontane Ereignisse ein, so dass diese immanente Unvorhersehbarkeit Teil des pädagogischen Handelns ist. Pädagogisches Handeln ist nicht beliebig. Vielmehr gilt es angemessen pädagogisch zu handeln. Die Entwicklung einer entsprechenden Lehrer:innen-Professionalität ergibt sich aus theoretischen Kenntnissen und praktischen Erfahrungswerten.
Der kompetenztheoretische Ansatz
Um Lehrkräfte zu Expert*innen pädagogischen Handelns auszubilden, gilt es, Kompetenzen zu erwerben.

Kompetenzen werden nach Weinert (2001, S. 27 f.) wie folgt definiert: Kompetenzen sind „die bei Individuen verfügbaren oder durch sie erlernten kognitiven Fähigkeiten und Fertigkeiten, um bestimmte Probleme zu lösen, sowie die damit verbundenen motivationalen, volitionalen und sozialen Bereitschaften und Fähigkeiten, um die Problemlösungen in variablen Situationen erfolgreiche und verantwortungsvoll nutzen zu können.“
Kompetenzen sind Fähigkeiten und Fertigkeiten, die die Lehrkräfte für ihr pädagogisches Handeln erwerben. In der Schulpraxis sind Lehrkräfte gefordert, es den Schüler*innen zu ermöglichen, ebenfalls Fähigkeiten und Fertigkeiten zu entwickeln. Dafür benötigen die Lernenden, angehende Lehrpersonen wie Schüler*innen, Bereitschaften (motivationale, volitionale (willentliche) und soziale). Es ist Aufgabe der Lehrkräfte durch das pädagogische Handeln dazu beizutragen, diese Bereitschaften bei den Schüler:innen zu wecken.
Die Gestaltung von Lehrer*innen-Schüler*innen-Beziehungen findet stets unter Ungewissheit statt, da diese dem pädagogischen Handeln immanent ist. Daher ist es aus der Perspektive des kompetenztheoretischen Ansatzes betrachtet, zentral, dass Lehrkräfte die Kompetenzen erwerben, die es ihnen ermöglichen, die Situation und das Agieren des Gegenübers professionell zu erschließen.
Für die Lehrkräfteausbildung in den Bildungswissenschaften sind die zu erwerbenden Kompetenzen in folgenden Vorgaben festgeschrieben, aus denen exemplarisch ausgewählte Teilkompetenzen dargestellt werden:
- Standards für die Lehrer:innen-Bildung: Bildungswissenschaften (KMK 2019)
- Verordnung über Masterabschlüsse für Lehrämter in Niedersachsen (Nds. MasterVO-Lehr)
Kompetenzbereich: Unterrichten
- z. B. Lehrkräfte unterstützen durch die Gestaltung von Lernsituationen das Lernen von Schülerinnen und Schülern. Sie motivieren alle Schülerinnen und Schüler und befähigen sie, Zusammenhänge herzustellen und Gelerntes zu nutzen. (KMK 2019)
- z. B. Die Absolventinnen und Absolventen begründen das Abhängigkeits- und Spannungsverhältnis von Alltagssprache und Fachsprache und achten im Unterrichtsgeschehen auf argumentative Klarheit in Schrift und Rede. (Nds. MasterVO-Lehr)
Kompetenzbereich: Erziehen
- z. B. Lehrkräfte vermitteln Werte und Normen, eine Haltung der Wertschätzung und Anerkennung von Diversität und unterstützen selbstbestimmtes und reflektiertes Urteilen und Handeln von Schülerinnen und Schülern. (KMK 2019)
- z. B. Die Absolventinnen und Absolventen stellen die Menschenrechte und die freiheitlich-demokratische Grundordnung dar sowie beschreiben und begründen das Engagement für diese allgemein und in konkreten Fällen, (Nds. MasterVO-Lehr)
Kompetenzbereich: Beurteilen, Beraten und Fördern
- z. B. Lehrkräfte erfassen die Leistungsentwicklung von Schülerinnen und Schülern und beurteilen Lernprozesse und Leistungen auf der Grundlage transparenter Beurteilungsmaßstäbe.(KMK 2019)
- z. B. Die Absolventinnen und Absolventen beschreiben die Ursachen und Folgen sozialer Ungleichheit anhand zentraler Kategorien (insbesondere Schicht, Ethnizität, Geschlecht) und diskutieren deren Bedeutung für pädagogisches Handeln. (Nds. MasterVO-Lehr)
Kompetenzbereich: Innovieren/Weiterentwicklung von Schule und Berufskompetenz
- z. B. Lehrkräfte sind sich der besonderen Anforderungen des Lehrerberufs bewusst und beziehen gesellschaftliche, kulturelle und technologische Entwicklungen in ihr Handeln ein. Sie verstehen ihren Beruf als ein öffentliches Amt mit besonderer Verantwortung und Verpflichtung. (KMK 2019)
- z. B. Die Absolventinnen und Absolventen beschreiben und begründen die wichtigsten Widersprüche der Lehrerrolle. (Nds. MasterVO-Lehr)
Literatur
Weinert, Franz E. (2001). Vergleichende Leistungsmessungen in Schulen – eine umstrittene Selbstverständlichkeit. In Weinert, Franz E. (Hrsg.) Leistungsmessung in Schulen. (S. 17-31). Weinheim/Basel: Beltz.
Verzeichnis der Internetquellen
Kultusministerkonferenz (2019). Standards für die Lehrerbildung:
Bildungswissenschaften. https://www.kmk.org/fileadmin/veroeffentlichungen_beschluesse/2004/2004_12_16-Standards-Lehrerbildung-Bildungswissenschaften.pdf
Niedersächsisches Vorschrifteninformationssystem (NI-VORIS) (o. J.). Niedersächsische Masterverordnung-Lehrämter. https://voris.wolterskluwer-online.de/browse/document/ae87f871-e254-3cae-bcef-ffa9e329996f